Freie Feldschlacht um die Ortenburg - Bellum Viritim Gestum

Mittelalterveranstaltung April 2004, Ortenburg bei Spittal/Drau, Österreich
Kampf um das Erbe der Grafen von Ortenburg, Sternberg und Cilli
Historischer Abriss

von Sandra Walkshofer

Zur Geschichte
Am 29. Februar 1420 traten die Grafen von Cilli das
Erbe der Grafen von Ortenburg an. Das Geschlecht
erlebte einen raschen Aufstieg, doch starb mit dem gewaltsamen Tod Ulrichs II von Cilli am 9. November
1456 das Geschlecht aus. Bereits im Jahre 1437 hatten
sich Ulrich und Friedrich von Cilli mit ihren Verwandten,
den Görzer Grafen, in Oberdrauburg getroffen, um einen
Vertrag über ihr Erbe aufzusetzen. Im Falle des Aus-
sterbens eines Geschlechtes war das andere Adels-geschlecht erbberechtigt.

Aber auch ein Erbvertrag zwischen den Cilliern und
den Habsburgern existierte und wurde nach dem Tode
Ulrichs II eingefordert. Die Görzer Grafen wehrten
sich – verfügten doch sie über die ältere Urkunde.
Ihre Ansprüche auf die Grafschaft Ortenburg wurden
jedoch abgewiesen, und so besetzte der Graf Johann
von Görz noch im Jahre 1456 die Burgen der Ortenburger
im Drautal und nahm den Ort Spittal ein. Die Ortenburg
selber konnte er nicht erobern. Er scheiterte an Georg
von Kraigh, dem Rudolf und Bernhard Khevenhüller zu
Hilfe eilten.

Johann von Görz lies sich aber nicht entmutigen. Er
zog weiter das Drautal hinunter und erreichte die Burg
Landskron. Doch der ambitionierte Görzer, „was noch
ain unversuechter (= ohne Erfahrung) iunger herr
“,
konnte dem kriegserfahrenen kaiserlichen Söldnerheer
unter der Führung der kampferprobten Hauptleute Jan
Wittowetz und Graf Pösing nichts entgegenhalten.
Johann erklärte sich zu Verhandlungen bereit. Sie
begannen im Februar 1457. Das Abkommen scheiterte
jedoch, und der Görzer nahm 1459 den Kampf um das
Erbe der Ortenburger Grafen wieder auf. Kaiser Friedrich
III von Habsburg wurde von den Kärntner Ständen
unterstützt, und so hatte der junge Görzer keinerlei
Aussichten, den Krieg zu gewinnen.

Die Auseinandersetzungen wurden am 25. Januar 1460
im Frieden von Pusarnitz beigelegt. Das reiche Erbe der
Grafen von Ortenburg, Sternberg und Cilli ging an Kaiser
Friedrich III, der sich nun auch Graf von Ortenburg
nennen konnte. Die Grafen von Görz wurden gezwungen,
Gebiete in Oberkärnten an den Kaiser abzutreten und
keinerlei Ansprüche mehr auf das Erbe der Ortenburger
zu stellen. Es war ein hartes Friedensabkommen für die
Görzer, aber der Zerfall des Herzogtums Kärnten war
dadurch verhindert worden. Nach dem Frieden von
Pusarnitz wurde der Name „Grafschaft Ortenburg“ auf
ganz Oberkärnten (außer die Herrschaft Gmünd)
ausgedehnt. Eine gewisse Selbstständigkeit der
Grafschaft Ortenburg blieb noch lange Zeit erhalten.
Sie resultierte aus der besonderen Stellung der Grafen
von Ortenburg.

Aus: 800 Jahre Spittal/Drau. Chronik 1191 – 1991 (Spittal 1991), S. 43 – 61.

 
             
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